17.03.20

Coronavirus

Kirchen verzichten auf Gottesdienste, Taufen, Konfirmation und Erstkommunion.

© U. Rapp-Hirrlinger

Die Kirchen bleiben offen wie hier die Stadtkirche Esslingen

Die Corona-Epidemie trifft die christlichen Kirchen bis ins Mark. Das macht der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Esslingen klar. „Das Gemeindeleben steht still“, sagt der evangelische Dekan Bernd Weißenborn.

Derzeit finden keinerlei Gottesdienste und Andachten statt – in den evangelischen Kirchen zunächst bis Ostern, in den katholischen Gemeinden bis zum 19. April, so die Vorgaben der Kirchenleitungen. Die Freikirchen regelten dies individuell, berichtet Pastor Markus Bauder von der Evangelisch-methodistischen Kirche in Esslingen. Seine Gemeinde verzichtet bis zum 11. April auf Gottesdienste, Versammlungen, Gruppentreffen und Sitzungen. Ob diese Termine zu halten sind, darüber herrscht bei allen Beteiligten Skepsis. „Es wird eher länger dauern“, meint Stefan Möhler,  Leitender Pfarrer der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen. Für ihn ist besonders bitter, „dass wir Ostern nicht wie gewohnt ökumenisch feiern können“.

Die Pfarrer verweisen auf Möglichkeiten wie Fernsehgottesdienste, Podcasts oder Livestreams im Internet als Ersatz für die Sonntagsgottesdienste in den Gemeinden. Die Kirchengebäude bleiben offen, denn diese sakralen Räume seien für die Menschen wichtig, sagt Weißenborn. Die  meisten Gemeindehäuser jedoch sind geschlossen und damit entfallen all die Aktivitäten, die sonst dort stattfinden.

Taufen und Trauungen müssen verschoben werden. Die Konfirmationen in der evangelischen Kirche können nach den neuen Empfehlungen nun auch nicht wie angedacht im kleineren Rahmen stattfinden. Sie werden zu einem späteren Termin gefeiert. Ebenso hat die katholische Kirche die Feiern der Erstkommunion bis nach den Sommerferien aufgeschoben.

Für Bestattungen hat die Stadt Esslingen klare Richtlinien erlassen. Sie dürfen nur noch unter freiem Himmel am Grab und mit kurzen Ansprachen und entsprechendem Abstand zwischen den Trauergästen stattfinden. Auf Trauerfeiern mit Sarg in Feierhallen oder offene Aufbahrungen muss ab sofort verzichtet werden. Zudem sollen nur noch die nächsten Angehörigen an Trauerfeiern teilnehmen. „Das ist für die Menschen, die Abschied nehmen wollen, besonders bitter“, weiß Weißenborn. Gerade Umarmungen und die Anteilnahme anderer seien tröstlich. Wenn Ansprachen sich auf das Wesentliche beschränken müssten, sei es ein Balanceakt, trotzdem einen würdigen Abschied zu gestalten, meint Möhler.

In der katholischen Kirche finden am nächsten Sonntag Kirchengemeinderatswahlen statt. Sie sollen wie geplant über die Bühne gehen, allerdings als reine Briefwahlen und ohne Wahlpartys.

Besonders hart treffen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens auch die Seelsorge. Hausbesuche mit Ausnahme von Sterbebegleitungen fallen derzeit weg. Ausgenommen sind Notfälle wie etwa Sterbebegleitungen. Stattdessen versuchen die Seelsorger über Telefonate oder schriftlich Kontakt zu halten und Zuspruch zu geben. „Wir sind trotzdem für die Menschen da“, betont Möhler. Die Pfarrämter seien besetzt, auch wenn kein Publikumsverkehr stattfinde, ergänzt Weißenborn. Auch praktische Hilfen für ältere und gebrechliche Menschen werden teilweise über die Pfarrämter organisiert, berichtet Möhler. Bisher basiere diese Unterstützung auf private Initiativen. „Damit bleibt die Hilfe dem Zufall überlassen“, kritisiert Bauder.

Gemeinschaft sei ein elementarer Bestandteil christlichen Glaubens, sind sich die drei einig. Deshalb berge die Corona-Krise eine besondere Herausforderung für die Kirchen. Für Möhler bietet sie aber auch die Chance sich zu fragen, was Halt im Leben gibt und zu überdenken, was man mit der nun gewonnenen freien Zeit anfangen könne. „Wir sollten die Zeit auch unbedingt zum Beten nutzen“, sagt Weißenborn.