Dorfkirche seit 1275

Kleine Chronik der Kirchengemeinde Zell am Neckar

1229 wird Zell erstmals urkundlich erwähnt 

Am 6. Februar 1229 beurkundet Schultheiß Rüdiger von Esslingen, dass Gebino von Köngen Weinberge und Äcker an das Kloster Salem veräußert hat. Als Zeuge unterschrieb auf dieser Urkunde Olrico de Cella, der damalige Ortsherr von Zell.

Zell 1685, nach dem Kieserschen Forstlagerbuch

1275: die Dorfkirche taucht erstmals in den Urkunden auf
Der Beginn des Weinbaus in dieser Gegend bewirkte einen lebhaften Güterverkehr und ein rasches Anwachsen der Gemeinde zu einem ansehnlichen Dorf mit einem gewissen Wohlstand. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn zwischen 1200 und 1300 an Stelle der Cella eine Dorfkirche errichtet wurde, die1275 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird.

1535: Der Prediger Ludwig Diemer führt die Reformation in Zell durch
Mit der Einführung der Reformation in Württemberg durch Herzog Ulrich kehrten fast alle Mönche des Klosters Adelberg in ihr Mutterkloster nach Roggenburg in Bayern zurück. Nach Zell schickte der Herzog 1535 den Prediger Ludwig Diener, der hier die neue Lehre einführen sollte. Vielen Bürgern in Zell war diese neue Lehre schon bekannt. Sie hatten die Gottesdienste des Reformators Blarer in Esslingen besucht. Es war also so, daß sich etliche Bürger für die neue Lehre interessierten, andere wiederum setzten sich für die bisherige Kirche ein. Der neue Gottesdienst konzentrierte sich auf Predigt, Gebet und Gesang. Die Heiligenaltäre und Bilder wurden aus der Kirche entfernt. Als Kirchenheilige werden erwähnt: 1391 St. Johann,1597 St. Lienhard. Die Pfarrer, die bereit waren, für die neue Lehre einzutreten, wurden auf ihren Stellen belassen, die anderen erhielten ein Leibgeding (Rente) auf Lebenszeit.

1601: Zell hat eine Schule
Die große Kirchenordnung Herzog Christophs von 1559 sah die Errichtung von Schulen vor. Ab 1601 wird nun in den Visitationsprotokollen auch über die Schule berichtet.1602 heißt es: »Pfarrer Schmid in Zell ist jetzt 41 Jahre alt. Seine Lehre ist recht. In der Gemeinde sind keine Sektierer und Wahrsager. Pfarrer Schmid hat 6 Kinder. Schulmeister ist Casparus Fröschlin. Er ist 36 Jahre alt und hat 3 Kinder. Er hat das Lob der ganzen Gemeinde.

1715: Westlich der Kirche wird eine Schule gebaut
Bis 1733 besuchten auch die Kinder aus der Nachbargemeinde Altbach die Schule in Zell. 1734 heißt es: ,,Nachdem vor einem Jahr die Altbacher eigenen Gefallens ihre Kinder von der Schule separiert und endlich gnädigster Erlaubniß unter getroffenem gewissen Verglich erlangt, einen eigenen Schulmeister halten zu dürfen. Indessen bezeugen gemeldete Altbacher, daß sie mit ihrem eigenen Schulmeister vergnügt seien."

 

 

Das alte Pfarrhaus, erbaut 1832, abgerissen 1964

1832: Bau des Pfarrhauses an der Hauptstraße
Bis 1832 hatten die Pfarrer in dem alten stattlichen Pfarrhaus, das aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg stammte, gewohnt. Von 1814 -1827 wohnte in diesem Haus Pfarrer Weigle mit seiner Familie. Hier ist auch 1816 Gottfried Weigle, der spätere Missionar, geboren.
In dieses neue Pfarrhaus konnte die Pfarrfamilie Flatt aus dem daneben liegenden alten Pfarrhaus einziehen. Dieses Gebäude war dann bis 1964 das Pfarrhaus.

Das alte Schulhaus, erbaut 1844, ab 1964 Gemeindehaus

1844: Das Schulhaus an der Kirchstraße wird erbaut
Im 1. Stock befanden sich 2 Unterrichtsräume, darüber war die Lehrerwohnung. Zur Erstellung des Schulhauses wurden die Steine im ehemaligen Steinbruch im Egert gebrochen. Das Bauholz wurde den Neckar herabgeflößt und auf dem Kelterplatz gezimmert.
In der Geschichte des württembergischen Volksschulwesens ist Pfarrer Flatt von hier bekannt geworden. Pfarrer Flatt setzte sich in dem damaligen Schulblatt um 1840 für die Einführung des Turnunterrichts an den Schulen ein, obwohl viele Stimmen gegen die Leibesübungen in den Schulen laut wurden. 1845 wurde der Turnunterricht durch Konsistorialerlaß allgemein in den Schulen eingeführt, in Zell erst 1883. Pfarrer Flatt setzte sich auch für die Einführung des Handarbeitsunterrichts an der hiesigen Schule ein. Diese Forderung konnte hier im Jahre 1847 verwirklicht werden.
Für die schulentlassene Jugend gab es damals eine Sonntagsschule mit den Fächern Lesen, Schreiben und Memorieren. Die 14-l8jährigen Burschen unterrichtete der Provisor, die 14-l8jährigen Mädchen der Schullehrer. 1854 waren es 23 männliche und 31 weibliche Sonntagsschüler. 1860 trat an die Stelle der Sonntagsschule für die männliche Jugend die ‚Winterabendschule' und zwar mittwochs und sonnabends von 19-21 Uhr.

1845: Die Eisenbahn kommt
Am 14. Dezember 1846 ist der erste, mit Blumen geschmückte Eisenbahnzug durch Zell gefahren, allerdings ohne zu halten, denn die Gemeinde Zell hat damals eine Haltestelle abgelehnt. Später wurde dann doch eine Haltestele gebaut und zwar zunächst auf der südlichen Seite. 1913 wurde sie auf die nördliche Seite verlegt. Gleichzeitig wurde ein Bahnhofsgebäude mit Warteraum errichtet.

Die Kirche in Zell im Jahr 1914

1914: Bau des Schulhauses auf dem Kelterplatz
Das Schulhaus in der Kirchstraße war schon lange zu klein. Deshalb wurde unter Schultheiß Paul Kull auf dem Kelterplatz ein neues Schulhaus gebaut. Zell hatte nun 4 Schulräume, 2 in der Kirchstraße und 2 in der neuen Schule. Die "neue Schule" ist
jetzt als "alte Schule" ein Teil der heutigen Schulanlage. Das Gebäude in der Kirchstraße wurde noch bis 1958 als Schule genutzt.

1961: Die Evangelische Kirchengemeinde kauft das Schulhaus in der Kirchstraße zum Preis von 48.000 DM
1950 fuhren auf der Strecke Esslingen - Plochingen täglich 230 Züge, 1960 waren es 319. Um dem zunehmenden Verkehrsaufkommen gerecht zu werden, wurde der viergleisige Ausbau der Strecke geplant. Dafür musste das Zeller Pfarrhaus weichen. Die Bahn kaufte das alte Pfarrhaus und ließ es abbrechen. Die Kirchengemeinde erwarb dafür das alte Schulhaus und baute es gründlich um. Neben einer Pfarrwohnung war es möglich, einen schon lang ersehnten Gemeindesaal einzubauen. 1964 konnten Pfarrer Kürschner und seine Familie einziehen und die Gemeinderäume wurden mit einem Fest in Betrieb genommen.

1983: Die Evangelische Kirchengemeinde baut ein neues Pfarrhaus
Hinter dem Gemeindehaus war es möglich, ein neues Pfarrhaus zu bauen, das den gestiegenen Anforderungen an Wohnqualität gerecht wurde und einen besseren Amts- und Registraturbereich zur Verfügung stellte. Die freiwerdenden Räume im Gemeindehaus wurden zum Teil als Mesner- und Hausmeisterwohnung genutzt und der andere Teil wurde zu dringend nötigen Räumen für die Jugendarbeit umgebaut.


Stand: 29. August 2006

Zeller Kirchenglocken und ihr Läuten

Das Läuten hat was zu bedeuten

Drei Glocken hängen im Zeller Kirchturm, die täglich, einzelnen, miteinander oder nacheinander in Zell zu hören sind. Wann welche Glocke an der Reihe ist, regelt getrennt nach Wochen- und Sonntagen eine Läuteordnung. Ein Dreiergeläut, wie in der Zeller Kirche, ist in vielen anderen Kirchen anzutreffen und gilt als Symbol für die Heilige Dreifaltigkeit.

Glocken gibt es als Signalgeber seit dem vierten Jahrhundert in den Klöstern, um die Mönche zum täglichen Gebet und zum Gottesdienst zusammenzurufen. Glocken wurden somit lange vor den Orgeln zum typischen Musikinstrument der Kirche.

Zeller Glockengeschichte 

Die drei heutigen Glocken in der Zeller Kirche wurde zwischen 1948 und 1954 in der Stuttgarter Glockengießerei Heinrich Kurz gegossen. Bis 1938 gab es zwei Glocken in Zell, eine von 1467 und die andere von 1751. 1938 wurde die Glocke von 1751 in zwei Glocken umgegossen und Zell hatte danach erstmals ein Dreiergeläut. 1942 mussten, wie vielerorts, auch die Zeller Glocken als Rohstoff für die Munitionsherstellung abgegeben werden. Eine der beiden 1938 neugegossen Glocken verblieb im Kirchturm. Die abgegebene Glocke von 1467 wurde jedoch irgendwie nicht zu Munition. Sie kam nach dem Krieg, allerdings beschädigt, wieder nach Zell zurück und wurde 1948 umgegossen und versieht heute als Glocke 3 ihren Dienst. In ihr leben somit die “Gene“ der ältesten Zeller Glocke von 1467 fort. Die Glocke 2 wurde 1949 gegossen. 1954 kam die heutige Glocke 1 im Tausch mit der währende des Krieges in Zell verbliebenen Glocke in den Zeller Kirchturm.

Das Läuten an Wochentagen

Zum Tagesanbruch um 6 Uhr läutet die Glocke Nr. 1. Sie ist mit 520 kg und einem Durchmesser von 921 mm die größte Glocke im Zeller Kirchturm. Als Betglocke mahnt sie, dass niemand ohne das morgendliche Gebet zur Arbeit geht. Um 11 Uhr ist sie in Zell als verfrühte Mittagsglocke das zweite Mal an der Reihe. Ursprünglich wurde das Mittagsläuten 1456 von Papst Calixt III wegen der Eroberung Konstantinopels durch die Türken angeordnet. Das Läuten hatte lange Jahre den Beinamen “Türkenglocke“. Nach dem Frieden mit den Türken 1718 wurde das Läuten als “Friedensläuten“ beibehalten. Die Mittagsglocke gilt damit als die älteste Friedensglocke, sie mahnt aber auch weiterhin zum Gebet und um beständige Erhaltung des Friedens.

Um 15 Uhr läutet die Glocke Nr. 2. Mit 295 kg und einem Durchmesser von 755 mm ist sie die mittlere Glocke in Zell. Als Kreuzglocke erinnert sie an die Stunde des Leidens und Sterbens Jesu. Das Abendläuten um 17 Uhr im Winter und im Sommer um 19 Uhr übernimmt wieder die Glocke 1 als Betglocke zur Erinnerung an ein Dankgebet über einen gelungenen Tag und zur Bitte für den Erhalt der Arbeitskraft, der Gesundheit und dem Schutz für die kommende Nacht.

Sonntagsläuten

An Vorabenden von Sonn- und Feiertagen wird mit allen drei Glocken um 17  bzw.19 Uhr in einem achtminütigen Läuten der Sonntag eingeläutet. Dieses Läuten endet mit der Glocke Nr. 3, der mit 212 kg und 678 mm Durchmesser kleinsten Glocke im Zeller Kirchturm. Die Glocken erklingen in folgenden Tonarten: Glocke 1 b’, Glocke 2 des’’ und Glocke 3 es’’. An den Sonn- und Feiertagen läutet eine Stunde vor den Gottesdiensten die Glocke Nr. 1 für 3 Minuten. Eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst läutet ebenfalls für 3 Minuten die Glocke Nr. 2. Zum Beginn des Gottesdienstes läuten dann alle 3 Glocken für 10 Minuten, beginnend und endend mit der Glocke Nr. 3. Beim Vaterunser läutet die Glocke Nr. 2, bei Taufen die Glocke Nr. 3.

Glockenschlag

Neben dem Läuten, bei dem die Glocken schwingen, erfüllen sie in Verbindung mit der Kirchturmuhr noch die Funktion der Zeitansage. Hier werden die Glocken in Ruhestellung von außen mit einem Hammer angeschlagen. Den Viertelstundenschlag führen die Glocken 3 und 2 im Wechselschlag aus. Der Stundenschlag erfolgt durch die Glocke Nr. 2 mit einem Wiederholungsschlag der Glocke Nr. 1.

Die Zeiten, als die Glocken noch mit der Hand am Arm zum Klingen gebracht wurden, gehören in Zell seit vielen Jahren der Vergangenheit an. Elektrische Läutewerke haben die Handarbeit übernommen. Wann welche Glocke läutet oder angeschlagen wird, läuft durch elektronische Steuerung automatisch ab. Die Moderne hat auch vor der Kirchturmuhr nicht Halt gemacht. Das Aufziehen der Uhr gehört ebenfalls der Vergangenheit an, wie auch das Stellen der Uhr, das mit Funkimpulsen absolute Genauigkeit bietet.

(H. J. Bosse)